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Tägliche Kapitalmarkteinschätzungen von Dr. Ulrich Stephan,
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19. Juni 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

Fondsmanager stufen eine mögliche KI-Blase als wesentliches Marktrisiko ein, emiratische Aktien bleiben trotz angekündigter Verständigung USA–Iran hinter ihrem Vorkrisenniveau zurück, und humanoid- und robotiknahe Aktienindizes schlagen den breiten Weltaktienmarkt in diesem Jahr.

Fondsmanager-Umfrage: KI-Blase als wesentliches Marktrisiko

Fondsmanager bleiben optimistisch, wenngleich weniger als im Vormonat – darauf deutet eine aktuelle Umfrage der Bank of America hin. In einer möglichen KI-Blase sehen die Befragten derzeit eines der größten Risiken für die Märkte. 80 Prozent der Fondsmanager halten die Positionierung in globalen Halbleiteraktien derzeit für besonders ausgeprägt. Zwar reduzierten sie ihre Aktien- und Technologie-Gewichtungen, jedoch bleiben sie übergewichtet. Die Mehrheit der Fondsmanager geht trotz zunehmender Sorgen weiterhin von einem Boom und keiner Blase aus, realisiert aber einen Teil ihrer Gewinne, um das Konzentrationsrisiko zu mindern. Im Zuge dessen stieg die durchschnittliche Liquiditätsquote leicht um 0,2 Prozentpunkte. Ich teile die Einschätzung eines anhaltenden KI-Booms und empfehle Anlegern, sowohl die Chancen als auch die steigenden Konzentrationsrisiken im Blick zu behalten. Angesichts der hohen Positionierungen könnten KI-Investments bei Stimmungsumschwüngen stärker unter Druck geraten. Langfristig orientierte Anleger könnten solche Rücksetzer jedoch als Einstiegsmöglichkeit nutzen.

Emiratische Aktien unter Druck: Hormus-Abhängigkeit belastet Wachstum und Erholung

Der MSCI United Arab Emirates stieg seit der angekündigten Verständigung USA–Iran um über vier Prozent – bleibt jedoch knapp vier Prozent unter seinem Vorkrisenniveau. Grund dafür ist die starke Abhängigkeit der emiratischen Wirtschaft vom Handel über die Straße von Hormus. Die Emirate haben sich dank ihrer strategischen Lage an dieser Wasserstraße als Handels- und Logistikdrehscheibe des Persischen Golfs etabliert. Nicht nur die Ölexporte – die rund 30 Prozent der Gesamtexporte ausmachen –, sondern auch der Handel mit Gold, Maschinen und Fahrzeugen wird über die Straße von Hormus abgewickelt. Vor diesem Hintergrund erwartet der Marktkonsens für 2026 lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Diese schwächere Dynamik belastet den Aktienmarkt spürbar. Aktuell liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI United Arab Emirates rund 15 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Sollte die Straße von Hormus tatsächlich schrittweise wieder geöffnet werden, könnten risikobereite Anleger eine sehr vorsichtige Beimischung emiratischer Aktien erwägen.

Öffnung der Straße von Hormus könnte Schwellenländeraktien Rückenwind geben

Die Wiederöffnung der Straße von Hormus könnte – sofern sie mit einer Erholung der Öl- und Gasproduktion einhergeht – auch den Weg für eine breitere Erholung der Aktienmärkte in den Schwellenländern (EM) ebnen, die seit Mitte April zurückgeblieben sind. Zu den potenziell größten Profiteuren niedrigerer Energiepreise zählen offenkundig Nettoimporteure wie die Türkei, die ASEAN-Staaten, Indien, Chile und Südafrika. Nachlassender Inflationsdruck sollte zudem das globale Risiko von Zweitrundeneffekten verringern und damit auch möglichen Korrekturdruck auf die bislang starke, tech-getriebene Performance in Südkorea und Taiwan mindern. Auch die aktuelle Anlegerpositionierung spricht für Aufholpotenzial bei EMs: Mit weniger als sechs Prozent des weltweit in Aktien investierten Vermögens liegt die EM-Quote derzeit unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 6,4 Prozent und entspricht nur etwa der Hälfte ihres Anteils an der weltweiten Marktkapitalisierung. 

Wertentwicklung von Schwellenländeraktien in Euro und inklusive Dividenden von 2021 bis 2026

Vor diesem Hintergrund könnte der breite MSCI Emerging Markets Index wieder stärker in den Blick rücken. Für die Index-Unternehmen erwarten Analysten in den kommenden zwölf Monaten ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 34 Prozent. Zugleich scheint das resultierende Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,7 im historischen Vergleich attraktiv.

Arbeitskräftemangel treibt Robotik – Engpässe bremsen Skalierung

Humanoid- und robotiknahe Aktienindizes haben im bisherigen Jahresverlauf in Euro gerechnet 20 bis 30 Prozent Kursrendite erzielt – gegenüber etwa elf Prozent beim MSCI All Country World Index. Die Basis bleibt jedoch klein: Globale Installationen dürften 2026 bei rund 2.500 Einheiten liegen, nach etwa 500 im Vorjahr. Breite autonome Einsätze sind bislang nicht belegt. Dabei geht es um Systeme, die Aufgaben eigenständig und adaptiv in wechselnden Umgebungen ausführen – im Gegensatz zu automatisierten Systemen, die auf klar definierte, wiederholbare Abläufe in entsprechend strukturierten Umgebungen beschränkt sind. Fundamental stützt der Arbeitskräftemangel in physischen Tätigkeiten die Nachfrage, vor allem in Fertigung, Logistik und Lagerhaltung. Dort sind Aufgaben klarer definiert und Produktivitätsgewinne besser messbar, was den Einsatz humanoider Roboter erleichtert. Die größten Engpässe liegen allerdings weiterhin bei Gelenksystemen, Sensorik, Energieversorgung und Systemintegration. Bei kritischen Komponenten betragen die Lieferzeiten teils sechs bis zwölf Monate. Chancenreich dürften Anbieter und Zulieferer von knappen Komponenten sein, die dauerhaft höhere Margen und Preissetzungsmacht realisieren können. Entscheidend bleibt jedoch insbesondere, ob aus Pilotprojekten belastbare Stückzahlen, stabile Auslastung und sinkende Kosten entstehen.

Warum die Wall Street davoneilt – und der DAX hinterherhinkt

Die Wall Street eilt von Rekord zu Rekord, während der DAX nicht Schritt halten kann. Dahinter stehen konjunkturelle Unterschiede – aber auch strukturelle Faktoren: Deutschland bietet weniger Tech und Künstliche Intelligenz, der DAX ist zyklischer aufgestellt, und der deutsche Kapitalmarkt spielt international eine kleinere Rolle. Was das für die Depotaufstellung von Anlegern bedeutet, erfahren Sie von Finanzjournalistin Jessica Schwarzer und mir in der aktuellen Folge unseres Börsenpodcasts.

Zahl des Tages: 6–9

Seit 2006 stellen Alice und Gavin Munro aus Wirksworth in der englischen Grafschaft Derbyshire Holzmöbel her – doch die werden nicht getischlert, sondern gezüchtet. Das Künstlerehepaar bringt Bäume in einer Obstplantage mithilfe von Kunststoffgestellen so in Form, dass sie nach und nach die Gestalt von Stühlen, Tischen oder Lampen annehmen. Das braucht seine Zeit: Jedes Möbelstück muss sechs bis neun Jahre wachsen, bevor es geerntet und ein weiteres Jahr getrocknet wird. Das fertige Objekt besteht dann aus einem massiven, gewachsenen Stück Holz. Die Möbel sind heute in bedeutenden Museen in Europa und den USA zu finden, auch ein großes Modehaus zählte schon zu den Käufern. Im nächsten Schritt wollen die Munros ihre Kenntnisse weitergeben – in einer Akademie für Möbelzucht.

Nehmen Sie sich heute Zeit.

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden

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